Von der Betonwüste zum grünen Kraftwerk. Ausgerechnet Autoparkplätze könnten eine Schlüsselrolle für die nachhaltige Stromversorgung Österreichs spielen. Solar-Carports machen es möglich.
100 Prozent erneuerbarer Strom bis 2030. Das ist ein wichtiges Zwischenziel am Weg zur Klimaneutralität Österreichs. Aber die Zeit drängt. Um den Stromhunger nachhaltig zu stillen, brauchen wir neue Wind-, Solar- und Wasserkraftanlagen. Das ist der einzige Weg, um von den schmutzigen Energieträgern Öl, Gas und Kohle wegzukommen. Und der einzige Weg, um unabhängig von ausländischem Erdgas zu werden.
Mit drei Prozent der Fläche Österreichs lässt sich der gesamte Energiebedarf decken.
Dabei spielt Sonnenkraft eine wichtige Rolle. Keine andere Energieform hat so viel ungenutztes Potenzial. Sonnenstrom lässt sich fast überall produzieren, auch in vergleichsweise kleinen Mengen. Trotz solcher Perspektiven installieren wir unsere Solaranlagen bisher fast ausschließlich auf Hausdächern. Und damit lassen wir viel Potenzial liegen. Kurzes Gedankenexperiment: Würden wir auf drei Prozent der Fläche Österreichs Photovoltaikanlagen aufstellen, könnten wir den Energiebedarf des Landes vollständig decken. Das rechnet der Bundesverband Photovoltaic Austria vor.
Kraftwerk und Schattenspender in einem
Zu eben diesem Thema meldet sich der oberösterreichische Landesrat Stefan Kaineder zu Wort. Er schlägt vor, auf großen Parkplätzen Solar-Carports zu errichten. Das sind Überdachungen, die mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet sind. Solar-Carports sorgen für schattige Parkplätze und kühlere Umgebungstemperatur vor Ort. Gleichzeitig produzieren sie lokalen Grünstrom, den die parkenden Fahrzeuge darunter direkt tanken können.
Antrag im oberösterreichischen Landtag
Ende Mai fordert Kaineder in einem Antrag im oberösterreichischen Landtag die Einführung einer Photovoltaik-Pflicht beim Neubau von offenen Parkplätzen. Für bereits bestehende Flächen soll es neue Landesförderungen geben. Das Ziel: Supermarktketten und Betriebe dazu bewegen, Solar-Carports auf ihren Stellplätzen nachzurüsten. Alleine in Oberösterreich gibt es 2.900 Parkplätze, die für dieses Vorhaben infrage kommen. Zusammen haben sie mit sieben Quadratkilometern fast die Fläche des Hallstättersees.

Da geht noch mehr
Aber nicht nur auf Parkplätzen wird derzeit noch Potenzial verschenkt. Die Liste an möglichen PV-Standorten ist lang, zeigt eine Studie von Oesterreichs Energie. Fassaden, Lärmschutzwände, Verkehrsrestflächen und Deponien sind vielversprechende Kandidaten. Fest steht: Um in weniger als acht Jahren mit ausreichend Grünstrom versorgt zu sein, müssen wir bei Sonnenkraft größer denken.
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