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Warum Österreich das neue Pfandsystem braucht

Seit 1. Jänner 2025 gibt es in Österreich ein Pfandsystem für Einwegflaschen und -dosen. Aber warum eigentlich? Einwegpfand trägt zur Lösung von gleich zwei großen Problemen unserer Zeit bei.

Wenn wir mit Jahresbeginn 2025 ein Getränk in einer Einwegflasche oder Einwegdose kaufen, dann zahlen wir 25 Cent zusätzlich – das Pfand. Dieses Geld bekommen wir wieder, sobald wir die leere Flasche zurückbringen. Die Idee dahinter: Wenn eine Flasche oder Dose Geld wert ist, werfen wir sie nicht so leicht weg. Dadurch ergeben sich zwei große Vorteile.

Weniger Müll durch Einwegpfand

Mit einem Einwegpfand landen weniger Flaschen und Dosen in der Natur. Insbesondere Plastikmüll belastet die Umwelt enorm. Landet beispielsweise eine Flasche in der Natur, bleibt sie für Jahrhunderte liegen, weil es so langsam verrottet. Bis dahin verfangen sich Tiere darin oder halten sie fälschlicherweise für Essen. Wäre das nicht schon schlimm genug, zerfällt die Flasche im Laufe der Zeit zu immer kleineren Partikeln. Dieses sogenannte Mikroplastik sorgt für noch mehr Probleme. Über Nahrung und Trinkwasser gelangt es sogar bis in unsere Körper.

Einwegflaschen und -dosen gehören zu den häufigsten Müllarten, die in der Natur landen. Deswegen ist das neue Pfandsystem sehr wichtig. Wie groß die positiven Effekte sein können, zeigen andere Länder schon seit vielen Jahren. In Deutschland gibt es seit dem Jahr 2003 ein Pfand auf Einwegflaschen und -dosen. Die Rückgabequote liegt dort bei beeindruckenden 98 Prozent. Auch Kroatien und die Niederlande haben ähnliche Systeme mit ähnlichen hohen Quoten.  Österreich möchte bis 2027 eine Rückgabequote von 90 Prozent erreichen.

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Weniger Rohstoffbedarf durch Einwegpfand

Der zweite Vorteil: Recyceln wir Dosen und Flaschen, nutzen also ihre Materialien erneut, dann müssen wir weniger neue Rohstoffe aus der Erde holen und mit viel Energie verarbeiten. Unsere moderne Welt hat einen enormen Hunger nach Rohstoffen. Egal ob Plastik, Metall oder Glas – viele der Materialien, die wir für Verpackungen nutzen, stammen aus begrenzten Rohstoffen. Plastik zum Beispiel wird Erdöl hergestellt – ein Rohstoff, dessen Gewinnung und Verarbeitung Klima und Umwelt enorm belastet.

Auch die Herstellung von Aluminium für Dosen verursacht enorme CO₂-Emissionen, weil dabei so viel Energie gebraucht wird. Bauxit, jenes Erz, aus dem Aluminium hergestellt wird, wird außerdem in sehr sensiblen Gebieten der Erde abgebaut. Brasilien rodet für die Bauxit-Gewinnung beispielsweise jährlich riesige Regenwaldgebiete.

Ein wichtiger Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft

Doch es geht auch anders. Die Lösung heißt Kreislaufwirtschaft. Während wir bisher Materialien erst gefördert, verwendet, dann entsorgt haben, hält die Kreislaufwirtschaft Materialien im System. Das Recycling von Materialien spart nicht nur Ressourcen, sondern auch Energie. Recyceltes Aluminium benötigt bis zu 95 Prozent weniger Energie.

Das Einwegpfand ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Alte Flaschen und Dosen werden zerkleinert und in weiterer Folge wieder zu neuen Flaschen und Dosen verarbeitet. Dafür müssen wir keine neuen Rohstoffe wie Erdöl für Plastik oder Bauxit für Aluminium abbauen.

Mit dem neuen Einwegpfandsystem geht Österreich zwei große Probleme an: die Vermüllung der Natur und unseren enormen Hunger nach neuen Rohstoffen. Wie andere Länder zeigen, kommt durch das Pfand mehr Plastik und Aluminium dort hin, wo es hin soll: zum Recycling. Das schützt unsere Natur und spart wertvolle Ressourcen.

Eine Stunde Vögel zählen

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Von 4. bis 6. Jänner findet wieder die „Stunde der Wintervögel“ statt. Die Vogelzählung der Vogelschutzorganisation BirdLife ist die größte Mitmachaktion Österreichs und ein wichtiger Beitrag zur Vogelforschung in bewohnten Gebieten. Mitmachen können wir alle. Vorkenntnisse braucht es dafür nicht.

2024 war nach 2023 bereits zum zweiten Mal in Folge das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das hat Auswirkungen auf Vieles. Auch auf unsere heimischen Wintervögel wie Amseln, Spatzen, Finken und Meisen. Durch die Zählung soll herausgefunden werden, wie viele Vögel sich in unseren Städten und Gemeinden im Winter aufhalten. Durch die Klimaerwärmung und die hohe Bodenversiegelung sind es in den vergangenen Jahren deutlich weniger geworden.

„Es bleibt spannend! Und jede Meldung zählt“, betont Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich, „auch wenn Sie nur wenige oder keine Vögel innerhalb der Zählstunde sehen! Je mehr Vogelfreunde mitmachen und je mehr Beobachtungen an uns weitergegeben werden, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse und desto besser kann sich unsere Organisation für die heimischen Vögel starkmachen!“ Und so geht’s:

Schritt 1: Informieren

Bei der „Stunde der Wintervögel“ können alle mitmachen, Vorwissen ist keines erforderlich. Mithilfe eines Teilnahmefolders – in dem die häufigsten Siedlungsvögel abgebildet sind – kannst du deine beobachteten Vögel ganz einfach bestimmen. Den Teilnahmefolder gibt es auf der Seite von BirdLife.

Schritt 2: Vögel zählen

Die „Stunde der Wintervögel“ findet vom 4. bis 6. Jänner statt. Such dir einen Platz, von dem aus du gute Sicht hast: im eigenen Garten, am Balkon, vom Fenster aus oder im Park. Auch wer innerhalb Österreichs auf Urlaub ist, kann teilnehmen. Beobachte dann zu einer selbst gewählten Uhrzeit eine Stunde lang und notiere dabei von jeder Vogelart die höchste Anzahl, die du in diesem Zeitraum gleichzeitig siehst. Das vermeidet Doppelzählungen. Auch wenn du gar keinen Vogel siehst, ist diese Rückmeldung an die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich sehr wertvoll.

Schritt 3: Beobachtung melden

Nutze für deine Meldung entweder den Meldebogen, den du im „Stunde der Wintervögel“-Teilnahmefolder findest, oder gib dein Zählergebnis auf der Meldeplattform unter birdlife.at online ein. Die online-Meldeplattform für dein Zählergebnis ist von 4. bis 14. Jänner 2025 freigeschaltet.

Gelber Sack in ganz Österreich

Ab 2025 gibt es in Österreich eine einheitliche Regelung für die Sammlung von Verpackungen aus Kunststoff und Metall. Ziel ist es, das Recyclen zu vereinfachen und die Umwelt zu schützen.

Die Gelbe Tonne bzw. der Gelbe Sack wird in allen Bundesländern zur zentralen Sammelstelle für Kunststoff und Metall. Damit verabschiedet sich die Blaue Tonne aus der Abfallwirtschaft. Unverändert bleibt hingegen die Sammlung von Altpapier sowie von Weiß- und Buntglas.

Bye bye Blaue Tonne

In einigen Bundesländern, wie Niederösterreich und Wien, wurde die gemeinsame Sammlung von Kunststoff- und Metallverpackungen bereits 2023 eingeführt. Ab 2025 ziehen nun auch Burgenland, Steiermark, Tirol, Vorarlberg sowie Teile von Oberösterreich nach. Das bedeutet, dass Metallverpackungen, die bisher in der Blauen Tonne entsorgt wurden, künftig zusammen mit Kunststoffverpackungen in die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack gehören.

Die neue Regelung vereinfacht die Abfalltrennung und sorgt dafür, dass mehr Materialien dem Recycling zugeführt werden können. Besonders in Regionen, die bisher unterschiedliche Sammelsysteme hatten, wird durch diese Umstellung eine Vereinheitlichung geschaffen.

So trennt ihr richtig

Nach der Umstellung gilt eine einfache Regel: Alle Leichtverpackungen aus Kunststoff und Metall kommen in die Gelbe Tonne bzw. in den Gelben Sack. Ob Joghurtbecher oder Tierfutterdosen, Shampoo-Flaschen oder Aluminium-Schalen, Chipssackerl oder Konservendosen.

Wichtig: Pfandverpackungen sind von dieser Regelung ausgenommen. Pfandflaschen und – dosen könnt ihr über das neue Einwegpfandsystem zurückgeben. Sperrige Verpackungen wie Kanister, Eimer, große Folien oder Styropor-Verpackungen sollten weiterhin zu einem Mistplatz, Recyclinghof oder Altstoffsammelzentrum gebracht werden.

Bei der richtigen Trennung gilt: Je sauberer und trockener die Verpackungen sind, desto besser können sie recycelt werden. Falls Verpackungen sehr stark verschmutzt sind, könnt ihr sie kurz ausspülen.

Unsicher bei der Trennung? Der Recycling-Guide hilft

Falls ihr nicht sicher seid, wie eine Verpackung richtig entsorgt wird, bietet der Recycling-Guide schnelle und einfache Antworten. Dieses Tool, das online oder als App verfügbar ist, hilft euch, den richtigen Entsorgungsweg für jede Verpackung zu finden. Auch das Mist-ABC der Stadt Wien kann helfen. Damit wird die Abfalltrennung nicht nur einfacher, sondern auch effizienter.

Recyclingquote verbessern

Die neue Regelung geht Hand in Hand mit den Entwicklungen in der Recyclingtechnologie. Verpackungen werden zunehmend recyclingfreundlicher gestaltet, und moderne Sortieranlagen können verschiedene Materialien effizienter trennen. Eine korrekte Sammlung ist jedoch essenziell: Verpackungen, die im Restmüll landen, gehen für das Recycling verloren.

Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die von der EU vorgegebenen Recyclingquoten zu erreichen. Bis Ende 2025 soll die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen 50 Prozent betragen, bis Ende 2030 sogar 55 Prozent. Das entspricht einer Verdopplung der Recyclingquote aus dem Jahr 2022. Gleichzeitig wird österreichweit ein Einwegpfandsystem eingeführt, um die Wiederverwertung weiter zu fördern.

Warum Recycling so wichtig ist

Eine korrekte Abfalltrennung und Recycling tragen erheblich dazu bei, Ressourcen zu schonen und die Umwelt zu entlasten. Verpackungen, die nicht recycelt werden, landen oft in Mülldeponien oder werden verbrannt, was zur Freisetzung von CO₂ beiträgt. Durch Recycling können Rohstoffe wiederverwendet und der Energieverbrauch bei der Herstellung neuer Produkte reduziert werden.

Darüber hinaus hilft Recycling, die Abhängigkeit von Primärrohstoffen zu verringern. Gerade bei Metallen wie Aluminium und Stahl ist der Energieaufwand bei der Wiederverwertung deutlich geringer als bei der Neugewinnung. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern auch erhebliche Mengen an Treibhausgasemissionen.

Vorteile der gemeinsamen Sammlung

Die Zusammenführung von Kunststoff- und Metallverpackungen in einem Sammelsystem bringt mehrere Vorteile:

  1. Einfachere Sammlung: Ihr müsst nur noch einen Behälter nutzen, was die Trennung im Haushalt erleichtert und Zeit spart.
  2. Höhere Recyclingquote: Weniger Fehler beim Trennen tragen dazu bei, dass mehr Verpackungen korrekt recycelt werden. Das steigert die Effizienz der gesamten Abfallwirtschaft.
  3. Effizienterer Transport: Die Reduzierung der Behälteranzahl führt zu weniger Abholfahrten, senkt den CO₂-Ausstoß und schont die Umwelt. Zudem werden durch die einheitliche Sammlung regionale Unterschiede abgebaut.
  4. Verbesserte Recyclingtechnologien: Die gemeinsame Sammlung fördert den Einsatz moderner Sortieranlagen, die Verpackungen aus Kunststoff und Metall besser trennen können. Das erhöht die Qualität der recycelten Materialien.
Fazit

Die Umstellung auf ein einheitliches Sammelsystem ist ein bedeutender Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Abfallwirtschaft in Österreich. Sie macht das Recycling für Bürgerinnen und Bürger einfacher und effizienter und leistet einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele. Mit der richtigen Trennung könnt ihr aktiv dazu beitragen, Ressourcen zu schonen und die Umwelt zu schützen. Nutzt die neuen Möglichkeiten und werdet Teil einer nachhaltigen Zukunft!

Sicher durch den Winter radeln

Fahrrad fahren ist gesund, macht Spaß und ist gut für Umwelt und Klima. Wenn wir ein paar Dinge beachten, kommen wir auch im Winter warm und sicher ans Ziel. FREDA hat die wichtigen Tipps zusammengetragen.

Zwar nimmt die Anzahl der Winterradler:innen jedes Jahr zu. Aber die Mehrheit der Österreicher:innen schickt das Rad noch immer in den Winterschlaf. Das verraten uns die Radzählstellen des Landes. Schneit es und ist der Boden gefroren, ist es auch vernünftig, das Rad stehenzulassen. Besonders für wenig Geübte. Aber die Wetterstatistik sagt: Im Großteil des Winters sind die Fahrverhältnisse besser, als die meisten von uns denken – vor allem in den Landeshauptstädten. Wien, Linz und Graz hatten 2023 zum Beispiel jeweils nur zwei Eistage, Innsbruck lediglich nur sechs. Eistage sind jene Tage, an denen die Temperaturen auch tagsüber nicht über null Grad klettern. An schnee- und eisfreien Tagen ist das Fahrradfahren allerdings wie immer.  Einzig die Luft ist kälter. An diesen Tagen spricht also nichts gegen das Rad – und einiges dafür!

Fahrradfahren ist auch im Winter gesund

Denn egal zu welcher Jahreszeit: Rad fahren spart Geld und in der Regel auch Zeit. Außerdem tun wir unserem Körper etwas Gutes, wenn wir uns an der frischen Luft bewegen. Im Winter stärken wir in der Kälte zudem unser Immunsystem und können damit Krankheiten vorbeugen. Und dann wären da natürlich auch noch die Vorteile für Klima und Umwelt. Am Fahrrad stoßen wir keine klimaschädlichen Gase aus und erzeugen keinen Feinstaub.

Deswegen hat das FREDA Magazin einige Tipps zusammengetragen, damit das Radfahren im Winter zu einem sicheren und angenehmen Erlebnis wird.

  • Tipp 1: Warm anziehen
    Was ziehe ich an, um nicht vom Fahrtwind schockgefrostet zu werden? Die Antwort lautet: viel. Gut gefütterte, regenfeste Jacken sorgen dafür, dass uns die winterliche Kälte nichts anhaben kann. An feuchten Tagen kann eine Regenhose samt regenfester Schuhe die Nässe draußen halten. Optimal gibt es auch Riesenponchos, die wir uns überwerfen können, sollte feuchtes Wetter über uns hereinbrechen. Unter dem Helm sollten wir auf jeden Fall eine Haube tragen, denn am Kopf verliert der Mensch die meiste Wärme. Unsere Hände brauchen außerdem warme Handschuhe. Am Lenker sind sie Wind und Kälte ungeschützt ausgesetzt. Wir sollten dabei Handschuhe wählen, mit denen wir problemlos nach der Gangschaltung und die Bremse greifen können. Durch die körperliche Anstrengung können wir unter der Kleidung schnell mal zu schwitzen beginnen. Trotzdem sollten wir unsere warme Kleidung erst ausziehen, wenn wir im Warmen sind. Wer viel schwitzt, sollte lieber auf atmungsaktive Sportkleidung setzen.
  • Tipp 2: Gut sichtbare Kleidung tragen
    Die ideale Radfahrkleidung im Winter sollte nicht nur warm sein, sondern auch sichtbar. Das gilt zwar prinzipiell für jede Jahreszeit. Aber besonders im Winter sind dunkle Jacken nicht ideal. Schließlich wollen wir ja von anderen Verkehrsteilnehmer:innen gesehen werden. Und die Sicht im Winter ist bekanntlich schlecht. Schließlich ist es dunkel und oft diesig. Wer eine dunkle Jacke hat und sich fürs winterliche Radvergnügen keine neue kaufen möchte, für den gibt es einen eleganten Ausweg: Klackbänder, Schärpen und Warnwesten. Legt man sich diese um, ist man im Verkehr besser sichtbar. Die sind vielleicht nur besonders modisch. Aber wir wollen ja keinen Werbespot drehen, sondern einfach nur sicher von A nach B kommen.
  • Tipp 3: Starkes Fahrradlicht verwenden
    Nicht nur wir, sondern auch unser Fahrrad sollte gut sichtbar sein. Und das heißt in Zeiten, wo die Sonne spät auf und früh untergeht, auch eine gute Lichtanlage am Fahrrad zu haben. Denn wer um fünf am Heimweg von der Arbeit ist, fährt im Stockfinsteren. Nabendynamos sind besonders alltagstauglich, weil wir dabei keine Akkus laden oder Batterien tauschen müssen. Abnehmbare Lichter müssen wir nach der Fahrt abnehmen. Akkus entladen sich in der Kälte schnell. Wichtig ist außerdem, dass wir die Reflektoren auf unserem Fahrrad gründlich reinigen. Im Winter verschmutzen sie leichter und verlieren damit ihre wichtige Funktion.
  • Tipp 4: Sattel runterstellen
    Im Winter sollten wir unseren Fahrradsattel ein bis zwei Zentimeter niedriger einstellen als im Sommer. Falls wir ins Schlingern kommen, können wir uns so besser mit den Füßen stabilisieren. Wer nicht zu flott unterwegs war, kann so Stürze auf rutschigen Stellen verhindern.
  • Tipp 5: Bei feuchter Fahrbahn angepasst fahren
    Wenn die Fahrbahn feucht ist, sollten wir deutlich vorsichtiger fahren. Auf feuchtem Untergrund ist der Bremsweg länger und die Sturzgefahr höher. Das gilt nicht für den Winter, sondern für jede Jahreszeit. Konkret heißt das:

    • Langsamer fahren
    • In Kurven auf Treten und Bremsen verzichten
    • Mehr Abstand zu anderen Radfahrer:innen und Autos halten
    • Vor allem Hinterradbremse benützen
    • Rutschige Oberflächen wie Straßenbahnschienen, Kanaldeckel und Laub meiden
    • Abkürzungen über unbefestigte Wege vermeiden
  • Tipp 6: Geräumte Fahrbahn benützen
    Bei Schneefall kann das Radfahren gefährlich sein, da die Sicht beeinträchtigt ist und die Straßen rutschig sind. Auch wenn es nicht mehr schneit, aber noch Schnee auf der Fahrbahn liegt, ist Vorsicht geboten. In diesen Fällen sollten sich nur geübte Fahrradfahrer:innen auf den Sattel schwingen.
    Wenn Radwege gar nicht oder nur unzureichend geräumt sind, ist die Benützung aus sicherheitstechnischen Gründen unzumutbar. In diesem Fall entfällt die Benutzungspflicht. Wir dürfen dann auch auf der geräumten Straße fahren.
  • Tipp 7: Streusalz vom Fahrrad entfernen
    Besonders im Winter gilt: Unser Fahrrad muss in gutem Zustand sein. Wer auch im Winter fahren will, sollte das Rad im Herbst noch einmal selbst durchchecken oder zum Service bringen. Denn im Winter wird das Rad stark gefordert. Der Grund: Streusalz. Bleibt es an bestimmten Teilen des Fahrrades kleben, kann es dort Schaden anrichten. Besonders anfällig sind die Ketten sowie Brems- und Schaltzüge. Um diese Probleme zu vermeiden, sollten wir diese Teile mit einem feuchten Tuch reinigen. Danach kann es notwendig sein, Ketten und Bremsen etwas zu ölen. Profitipp: Eine Wachspolitur im Herbst macht es dem Streusalz schwerer, haftenzubleiben und schützt damit den Rahmen.
  • Tipp 8: Die richtigen Reifen verwenden
    Im Winter ist es vorteilhaft, wenn wir unser Fahrrad mit Winterreifen ausstatten. Ja, die gibt es auch für Räder. Diese Reifen haben eine größere Profiltiefe und breitere Reifenflanken. Das sorgt für mehr Grip auf rutschigen oder gar vereisten Straßen. Sie sind meist auch aus weicherem Gummi hergestellt, der besser bei niedrigen Temperaturen funktioniert.
    Wer nur selten im Winter fährt und sich keine speziellen Winterreifen zulegen möchte, der kann zumindest den Luftdruck verringern. Dadurch hat der Reifen mehr Kontakt zum Boden und wir rutschen weniger schnell weg. Die Faustregel lautet: dreieinhalb bis vier Bar Reifendruck für die kalten Monate im Jahr.
Gibt es gute Radwege, ist Radfahren auch im Winter ohne Sicherheitsbedenken möglich.

Bessere Infrastruktur wichtig
Radfahren und Winter sind keine unvereinbaren Dinge, wie die nördlichste Großstadt der Europäischen Union beweist. Die Menschen im finnischen Oulu sind Radliebhaber:innen. Im Winter beträgt der Anteil des Radverkehrs in der Stadt mit 200.000 Einwohnern 12 Prozent, was doppelt so hoch ist wie der durchschnittliche Radverkehrsanteil in Linz für das ganze Jahr. Im Hinblick auf Radfahren ist bei uns Österreicher:innen also noch viel Luft nach oben. Das liegt aber auch daran, dass in weiten Teilen des Landes noch sichere Radwege fehlen.

In Oulu wiederum gibt es rund 850 Kilometer Radwege, die zuverlässig von Schnee geräumt werden. Sie sind zwischen dreieinhalb und sechs Meter breit und bieten sichere Fahrbedingungen für alle Radler:innen. Es ist also nicht immer das Wetter, das uns Österreicher:innen vom Fahrradfahren abhält. Es ist das Fehlen von sicheren Radwegen. Wächst ihre Anzahl, dann wächst auch unser Wille im Winter mit dem Rad zu fahren.

Rezept für eine lebenswerte Stadt

Für eine lebenswerte Stadt brauchen wir eine Reihe an unverzichtbaren Zutaten. Eine Gesundheitsversorgung für alle, gute Schulen, Parks, Öffis und und und. Wie das bei Rezepten nun mal ist, müssen wir mit manchen Zutaten sparsam sein. Geht es um lebenswerte Städte, dann ist diese Zutat der Autoverkehr.

Wir Menschen sind bemerkenswert gut darin, uns an Dinge zu gewöhnen. Es erscheint uns normal, dass selbst Altstädte von breiten Straßen durchschnitten sind. Wir nehmen es hin, dass Gehwege oft nur schulterbreite Streifen sind. Und wir akzeptieren, dass wir mit geschlossenen Fenstern schlafen und Kinder nur auf eingezäunten Spielplätzen spielen können. An dieses Stadtrezept unserer Eltern und Großeltern haben wir uns so gewöhnt, dass wir vergessen, dass wir die Zutaten auch ändern können.

Denn der Autoverkehr in unseren Städten ist kein Naturgesetz. Er ist die Konsequenz von Entscheidungen, die Generationen vor uns getroffen haben. Es liegt aber in unserer Hand, wie wir unsere Städte heute planen. Wir können die Zutat „Autoverkehr“ so weit reduzieren, dass alle ein besseres Leben haben. Denn vieles, das die Lebensqualität in Städten drückt, kommt von übermäßigem Autoverkehr.

Weniger Autos bedeutet mehr Platz für Menschen

Autos brauchen Platz – mehr, als uns bewusst ist. Straßen, Kreuzungen, Kreisverkehr und Parkplätze verbrauchen riesige Flächen. In vielen Städten sind 50 bis 60 Prozent des öffentlichen Raums für den Autoverkehr blockiert. Bahn, Bus und Fahrrad können ein Vielfaches an Menschen auf viel weniger Raum transportieren.

Würden wir in Zukunft konsequent auf diese Fortbewegungsmittel setzen, würden große Flächen frei werden. Und die könnten wir gut gebrauchen. Viele Städter:innen leben in kleinen Wohnungen und haben keinen Garten. Die Plätze, Parks und Gassen der Stadt sind ihr erweitertes Wohnzimmer.  Für sie wäre der freigewordene öffentliche Raum ein enormer Gewinn.

Mehr Platz für Bäume und Hecken, die nicht nur das Stadtbild verschönern, sondern auch das Mikroklima verbessern. Mehr Sportgeräte, Spielplätze und Sitzbänke, wo alle Generationen ihre Freizeit verbringen können. Mehr Hundezonen, mehr Liegeflächen, mehr Blumenbeete. Biotope. Brunnen. Picknickplätze. Das Potenzial ist riesig. Die Flächen der Stadt sollten uns gehören, nicht den Autos.

Das Beispiel Ljubljana zeigt, was mit Mut und guter Planung möglich ist. Seit 2007 hat die slowenische Hauptstadt ihre Fußgängerzonen um 620 Prozent erweitert. Heute prägen Plätze, Brunnen und Bäume das Stadtbild. Anfangs war der Widerstand groß, mittlerweile unterstützen aber 97 Prozent der Einwohner:innen das Vorhaben.

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Weniger Autos bedeutet mehr Ruhe

Wer Ruhe will, der muss am Land wohnen? Von wegen. Vielerorts ist nicht die Stadt selbst laut, sondern es sind die vielen Autos. Leider ist Verkehrslärm eine Belastung, der Städter:innen kaum entgehen können. Denn Augen können wir schließen, aber unsere Ohren nicht.

Die Folge: Stress. Lärm lässt den Körper Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol ausschütten und kann auf Dauer Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und Angststörungen verursachen.

Zwei Millionen Österreicher:innen wohnen an Orten, an denen der Verkehrslärm mehr als 55 Dezibel beträgt. Zum Vergleich: Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Lärm bereits ab 53 Dezibel gesundheitsschädlich. Menschen, die an Hauptverkehrsstraßen wohnen, müssen noch viel mehr Lärm ertragen. Oft sind es 65 bis 75 Dezibel.

Fest steht: Eine leisere Stadt ist eine lebenswertere. Damit das gelingt, müssen wir Autos nicht vollständig verbannen. Maßnahmen wie Tempo-30-Zonen und mehr Begrünung können den Verkehrslärm schon erheblich reduzieren. Offizielle Lärmkarten zeigen, wie groß die positiven Effekte von Verkehrsberuhigung sind.

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Ein Vorbild in Sachen Verkehrsberuhigung ist die spanische Stadt Barcelona mit ihrem Konzept der „Superblocks“. In diesen verkehrsberuhigten Quartieren wird der Durchgangsverkehr ausgesperrt. Damit konnte die Stadtverwaltung den Lärmpegel innerhalb der Blocks massiv senken. So entstehen nicht nur ruhigere, sondern auch sicherere Stadträume, die zugleich den sozialen Zusammenhalt stärken.

Weniger Autos bedeuten bessere Luft

Autos sind einer der Hauptgründe für schlechte Luft in Städten. Stickoxide, Rußpartikel und Reifenabrieb belasten unsere Atemluft stark. Luftverschmutzung ist laut der WHO die größte umweltbedingte Gesundheitsgefahr weltweit. Sie führt jährlich zu Millionen von Todesfällen.

Wollen wir bessere Luft in unseren Städten, dann müssen wir den Autoverkehr reduzieren. Denn in verkehrsberuhigten Zonen verbessern sich die Abgaswerte deutlich. Ein Blick nach Ljubljana verdeutlicht, wie groß die Wirkung sein kann: Auf der zentralen Hauptstraße sanken die Schadstoffwerte um 70 Prozent, nachdem der Autoverkehr dort eingeschränkt wurde.

In Städten mit guter Luft gehen chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma und Bronchitis zurück, Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden seltener, und das allgemeine Wohlbefinden steigt. Besonders ältere Menschen, Kinder und Asthmatiker:innen profitieren von sauberer Luft, da sie am empfindlichsten auf die Schadstoffe von Autos reagieren.

Weniger Autos bedeuten weniger Verkehrstote

Eine Stadt mit weniger Autos ist auch eine sicherere Stadt. Denn weniger Autoverkehr bedeutet auch weniger schwere Verkehrsunfälle. Für Radfahrer:innen und Fußgänger:innen wird die Fortbewegung mit weniger Autos entspannter und gefahrloser.

Wenn wir den Autoverkehr konsequent reduzieren, schafft das auch Platz für breitere Gehwege und sichere Fahrradwege. Beides senkt das Risiko von schweren Unfällen weiter. Und das Ganze ist ein positiver Kreislauf: Wenn sich Menschen zu Fuß und mit dem Rad sicher fühlen, lassen sie das Auto immer öfter stehen.

Lyon zeigt, welche Wirkung bereits eine Temporeduktion haben kann. Dort wurde in den zentralen Teilen der Stadt Tempo 30 umgesetzt. Zwei Jahre nach Einführung des Tempolimits ging die Zahl der Verkehrsunfälle um 35 Prozent zurück. Besonders bemerkenswert: Die schweren Unfälle, also solche mit Schwerverletzten oder Toten, sind sogar um 39 Prozent gesunken.

Weniger Autos sind gut fürs Geschäft

Auch Geschäfte profitieren von Verkehrsberuhigung. Fertig sanierte oder umgestaltete Einkaufsstraßen werden stärker besucht. Und: Es wird mehr eingekauft. Fußgängerzonen erwirtschaften deutlich mehr Umsatz als Einkaufsstraßen mit Autoverkehr. Das belegen zahlreiche Erhebungen. 

Verkehrsberuhigte Straßen schaffen eine entspannte Atmosphäre mit weniger Lärm und Hektik. Und wir Menschen halten uns an solchen Orten einfach lieber auf.

Das Rezept für lebenswerte Städte

Wir haben uns daran gewöhnt, dass Autos eine zentrale Zutat im Stadtleben sind. Aber wir müssen das Rezept unserer Eltern und Großeltern anpassen. Dabei geht es nicht darum, Autos völlig aus den Städten zu verbannen. Manche Bewohner:innen sind unter bestimmten Umständen auf ihr Auto angewiesen. Vielmehr geht es darum, Autos nicht mehr den bestimmenden Faktor von Städten sein zu lassen. Sie sollten im Rezept nur eine kleine Rolle spielen.

Denn wir alle wollen an einem Ort leben, an dem Kinder sicher draußen spielen können. Wir wollen gute Luft atmen, ein bisschen Grün vor der Tür und die Möglichkeit, auch nachts das Fenster offenzulassen. Das ist nicht naiv, sondern möglich. Andere Städte zeigen, wie groß die positiven Auswirkungen von weniger Autos sind. Wir müssen nur den Mut haben, konsequent zu handeln und Städte für Menschen, statt für Autos zu gestalten. Das Rezept liegt vor uns, genauso die Zutaten.

Neue Daten zu Plastikmüll in Österreich

Im Herbst erhobene Zahlen von Greenpeace zeigen, dass Österreich ein handfestes Plastikproblem hat. Jeder österreichische Haushalt wirft wöchentlich rund 50 Plastikverpackungen in den Müll. Das entspricht jährlich 10,7 Milliarden Verpackungen. Warum ein Wandel dringend nötig ist – und welche Lösungen Greenpeace vorschlägt.

Im Oktober hat Greenpeace alle Österreicher:innen dazu aufgefordert, eine Woche lang ihren Plastikmüll zu zählen. Wir haben berichtet. 12.000 Menschen aus über 3.800 Haushalten sind dem Aufruf zum „Plastik-Check“ gefolgt. Ende November wurden die Ergebnisse in einem Report präsentiert.

„Pro Haushalt waren es 50 Verpackungen pro Woche.“

Rund eine Million Tonnen Plastikmüll fällt in Österreich jährlich an, ein Drittel davon sind Plastikverpackungen. Von den Verpackungen würden auch nur rund 17 Prozent recycelt, dafür über 80 Prozent verbrannt. Das zeigt die Analyse des gezählten Plastikmülls.

„Pro Haushalt waren es 50 Verpackungen pro Woche“, sagte der NGO-Sprecher Stefan Stadler. Auf ganz Österreich gerechnet somit rund 10,7 Milliarden Plastikverpackungen jährlich allein in den Haushalten.

„Wichtig wären Mehrweg-Strategien.“

Um weniger Plastikmüll zu verursachen, fordert Greenpeace ein Verbot von vermeidbaren Einwegverpackungen. Etwa bei Obst und Gemüse oder einzeln verpackten Süßigkeiten. Karin Huber-Heim, Expertin für Kreislaufwirtschaft und transformative Geschäftsmodelle an der FH des BFI Wien, unterstützt diese Forderung: „Eine Lösung wäre eine gesamtheitliche Kreislaufwirtschaft“, stattdessen denke man viel zu schnell über energieaufwendiges Recycling nach. „Wichtig wären Mehrweg-Strategien“, so die Expertin.

Vonseiten der Industrie brauche es eine Reduktion von schwer recycelbaren Mischmaterialien und den Einsatz von hochwertigen Kunststoffen, „unnötige Verpackungen gehören hingegen eliminiert, egal ob aus Plastik oder aus anderen Materialien.

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Der Herkunft nach war der Lebensmittelbereich mit zwei Dritteln des gezählten Plastikmülls dafür eindeutig führend. Ein Verbot derartiger Einwegverpackungen hätte laut Dengler noch einen weiteren Vorteil. So könne auch die Lebensmittelverschwendung reduziert werden, wenn etwa nicht mehr drei Paprikas auf einmal gekauft werden müssen.

Stadler ergänzte, dass die Plastikverpackung ohnehin nicht unbedingt die hygienischste Lösung sei. Eine Gurke sehe zwar länger frisch aus, der nicht sichtbaren Keimbildung bei längerer Lagerung setze das Plastik jedoch wenig entgegen. Der Plastikcheck habe gezeigt, wie viele vermeidbare Einwegverpackungen im Umlauf sind. Es reiche nicht, Einwegplastik zu verbieten und dann andere Materialien zum Einsatz zu bringen, sagte Dengler abschließend.

„90 Prozent achten bereits jetzt darauf, ob es das Produkt auch als Mehrweg gibt.“

An die Politik gerichtet ist die Forderung nach einer Mehrwegquote bei Getränkegebinden. Sie soll in Richtung 80 Prozent gehen – ein Niveau, das in den 1990er-Jahren schon einmal erreicht wurde.

„90 Prozent achten bereits jetzt darauf, ob es das Produkt auch als Mehrweg gibt“, nannte Stadler ein Ergebnis des „Plastik-Checks“. Bei den Materialien sollte die Recycelbarkeit an erster Stelle stehen – und auch der Plastikmüllexport aus Österreich gehöre reduziert. Noch würden 325.000 Tonnen an Plastikabfällen ins Ausland verbracht, womit pro Werktag 25 Lkw mit rund 1.000 Tonnen Plastikmüll über die Grenze rollen.

Auch global müsse die Plastikkrise bzw. -flut bekämpft werden. In diesem Zusammenhang erinnerte Greenpeace an die aktuellen UNO-Verhandlungen in Busan (Südkorea) für ein Abkommen gegen Plastikverschmutzung.

Gefordert wurden hier starke und verbindliche Maßnahmen – darunter eine 75-prozentige Reduktion der Plastikproduktion bis 2040, Mehrwegquoten und auch ein globales Verbot für unnötiges Einwegplastik.

Die Ergebnisse des „Plastik-Checks“ zeigen klar, dass wir unseren Umweg mit Plastikverpackungen ändern müssen. Mit mehr Kreislaufwirtschaft, Mehrwegsystemen und dem klaren Willen, unnötige Verpackungen aus unserem Alltag zu verbannen, können wir das Problem lösen.

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Neuer Start für Männlichkeit

Was bedeutet Männlichkeit? Was bedeutet Stärke? Geflüchtete Menschen stehen nach ihrer Ankunft in Österreich vor zahlreichen Herausforderungen – von Bürokratie bis hin zu sozialen und kulturellen Hürden. Auch Shokat Walizadeh hat diese Erfahrungen gemacht. Aus seiner eigenen Geschichte heraus gründete er den Verein „Neuer Start“, der geflüchtete Männer dabei unterstützt, ihre Rolle in der Gesellschaft neu zu definieren. 

Der Verein „Neuer Start“ ist eine Initiative, die seit ihrer Gründung im Jahr 2010 geflüchteten Menschen in Österreich Unterstützung bietet und ihnen den Einstieg in ein neues Leben erleichtert. Gegründet von Shokat Walizadeh und anderen ehemaligen Geflüchteten, hat der Verein das Ziel, nicht nur Integrationshilfe anzubieten, sondern auch eine Plattform für interkulturellen Austausch und Sensibilisierung zu schaffen. Vor allem männliche Geflüchtete und Jugendliche stehen im Mittelpunkt der Arbeit. Diese reicht von sozialer Unterstützung über Gewaltprävention bis hin zur Berufsorientierung.

„Integration kann nicht von heute auf morgen gelingen. Es muss von Anfang an ermöglicht werden“, erklärt der ehemalige Zahntechniker Shokat und unterstreicht damit die Dringlichkeit einer frühzeitigen Unterstützung. Der Verein bemüht sich, Geflüchteten von Anfang an zu helfen, um deren Motivation, in Österreich ein neues Leben zu beginnen, zu bewahren.

Gewaltprävention durch Sport

Der Verein „Neuer Start“ bietet eine Vielzahl von Aktivitäten an, die sich an die Bedürfnisse der Geflüchteten richten. Diese reichen von Sportangeboten wie Kickboxen und Fußball über kulturelle Veranstaltungen bis hin zu sozialen und pädagogischen Workshops. Das erst vor kurzem stattgefundene Integrationsfestival „Von Kabul bis Wien“ ist dabei ein besonderes Highlight, das den Austausch zwischen Österreicher:innen und Migrant:innen fördert. Zudem werden regelmäßig Workshops an Schulen durchgeführt, um das Bewusstsein für die Situation geflüchteter Menschen zu stärken.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Arbeit mit geflüchteten Männern. Gewaltprävention und der Umgang mit emotionalen Belastungen stehen hier im Mittelpunkt. Mit einem „Safe Space“ bietet der Verein einen geschützten Raum, in dem Männlichkeit und Stärke neu definiert werden – fernab von Gewalt und Vorurteilen. Wir durften einen Abend beim Kickbox-Training mit Trainer Samim Sahil dabei sein:

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Kickboxen ist bei „Neuer Start“ nicht nur ein Kampfsport, sondern ein Mittel zur Aggressionsbewältigung und Disziplinierung. Trainer Samim Sahil ist Welt- und Europameister in Kickboxen. Er lehrt den Teilnehmenden, dass Stärke und Respekt Hand in Hand gehen. Durch den Sport können die Männer Gefühlen wie Aggression, Angst oder Frust Raum geben und lernen, damit umzugehen. Viele Männer und Burschen, die regelmäßig zu Samims Training kommen, schätzen es, hier emotional sein zu dürfen. Sie lernen, dass es okay ist, als Mann Gefühle zu haben – diese aber nicht in Gewalt umzusetzen.

„Das Patriarchat schafft sich nicht von selbst ab.“

Ein besonderes Projekt des Vereins ist „BARABARI“ – ein Angebot, das sich auf interkulturelle Burschen- und Männerarbeit konzentriert. Der Begriff „Barabari“ stammt aus dem Dari und bedeutet „Gleichberechtigung“. Das Projekt wurde in Kooperation mit dem Poika-Verein für gendersensible Bubenarbeit und dem Dachverband für Männer-, Burschen- und Väterarbeit in Österreich (DMÖ) ins Leben gerufen und wird vom Sozialministerium gefördert. Ziel des Projekts ist es, Geflüchteten, die oft in prekären Verhältnissen und mit begrenztem Zugang zu Bildung aufgewachsen sind, einen geschützten Raum zu bieten.

Im Rahmen von BARABARI werden Jungen, Männer und Väter unterstützt, ihre Emotionen auszudrücken und offen über Herausforderungen zu sprechen. Sozialarbeiter:innen und Pädagog:innen bieten Begleitung und Zugang zu weiterführenden Unterstützungsangeboten. „Das Patriarchat schafft sich nicht von selbst ab“, sagt Shokat Walizadeh und verdeutlicht damit die Wichtigkeit dieses Projekts, das nicht nur den Teilnehmern hilft, sondern auch langfristig zur Gewaltprävention beiträgt.

Sensibilisierung für Österreicher:innen

Neben der direkten Unterstützung Geflüchteter sieht der Verein es als wichtig an, die österreichische Gesellschaft für die Erfahrungen und Bedürfnisse von Migrant:innen zu sensibilisieren. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen werden Schulworkshops und Vorträge angeboten. Diese fördern das interkulturelle Verständnis und tragen zur Prävention von Extremismus und Vorurteilen bei. Shokat Walizadeh und seine Kolleg:innen sind überzeugt, dass nur durch ein realistisches Verständnis füreinander Vorurteile abgebaut werden können.

Integration ist keine Einbahnstraße

Shokat sieht jedoch noch viel Handlungsbedarf in Österreich. Integration sei keine Einbahnstraße, betont er und fordert eine offenere Gesellschaft, die Geflüchteten die notwendige Zeit und Unterstützung bietet, um sich zurechtzufinden. Um seine Arbeit weiterhin erfolgreich fortführen zu können, wünscht sich der Verein mehr Unterstützung und Anerkennung. Die Förderung durch unterschiedliche Ebenen, ob durch den Staat, private Spender oder andere Organisationen, ist essenziell, um auch langfristig Geflüchteten einen neuen Start zu ermöglichen.

„Neuer Start“ ist ein Ort, an dem es nicht um Herkunft oder Religion geht – es zählt allein der Mensch. Der Verein bietet Geflüchteten nicht nur die Möglichkeit, in Österreich anzukommen, sondern auch, ihre eigene Stärke und Rolle in der Gesellschaft zu entdecken. Das Ziel bleibt klar: Ein Österreich, in dem Menschen mit und ohne Fluchterfahrung gemeinsam und respektvoll leben können.

Österreich verbessert Klimaschutz

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Ein gemischtes Bild der Fortschritte in der Energie- und Klimapolitik weltweit zeichnet der am Mittwoch bei der UNO-Klimakonferenz Cop29 in Baku veröffentlichte Klimaschutz-Index von Germanwatch und dem New Climate Institut.

Demnach hat sich der Ausbau erneuerbarer Energien massiv beschleunigt, allerdings gebe es auch heftige Widerstände gegen eine Abkehr von fossilen Energien. Österreich rückt gegenüber dem Vorjahr im Ranking von Platz 32 auf 23 vor. Wie seit Jahren üblich, ließen Germanwatch und das New Climate Institut in ihrem Gesamtranking die ersten drei Plätze leer – um deutlich zu machen, dass die Anstrengungen und Fortschritte aller Länder beim Klimaschutz noch zu gering sind. Den besten Platz belegt mit Rang vier erneut Dänemark mit einem „gut“ in der Gesamtwertung und „sehr gut“ bei erneuerbaren Energien. Es folgen die Niederlande und Großbritannien auf Platz fünf und sechs. Bei den Erneuerbaren wurden mit Norwegen und Schweden zwei weitere skandinavische Länder mit „sehr gut“ bewertet.

Österreich steigt um neun Plätze

Österreich habe zwar neun Plätze gutgemacht, liegt aber immer noch unter den Ländern mit einer mittelmäßigen Klimaschutzperformance. Damit könne man nicht zufrieden sein, so das kritische Statement von Global 2000. „Um in die Top-Liga der Klimaschutz-Performer vorzustoßen, braucht es weitere entschlossene Maßnahmen der nächsten Regierung“, so Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher der Umweltorganisation. ÖVP, SPÖ und NEOS seien bei ihren Koalitionsverhandlungen entsprechend gefordert.

Im Index wurden uns der hohe Anteil erneuerbarer Energie und der Trend der zuletzt sinkenden Treibhausgasemissionen positiv angerechnet. Hervorgehoben wurden wirksame Klimaschutzmaßnahmen der letzten Regierung. Darunter die Förderungen für den Austausch fossiler Heizkessel, die thermische Sanierung oder das Klimaticket. Kritisch hingegen werden im Bericht der nach wie vor hohe CO₂-Ausstoß pro Kopf, der hohe Energieverbrauch und das Fehlen verbindlicher Ausstiegsfristen für fossile Heizungen oder eines Klimaschutzgesetzes in Österreich aufgeführt.

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Jasmin Duregger von Greenpeace Österreich würdigte das Erreichte: „Österreich macht einen deutlichen Sprung nach vorne beim Klimaschutzranking.“ Zeit zum Ausruhen bleibe aber sicher nicht. Deshalb sieht sie ebenfalls die nächste Regierung gefordert. Nur mit einem umfassenden Klimaprogramm würden sich Klimaschutz konsequent vorantreiben und eskalierende Wetterextreme eindämmen lassen.

Deutschland rutscht leicht ab

Deutschland ist leicht auf Platz 16 abgerutscht, da in den Sektoren Verkehr und Gebäude kaum Fortschritte erkennbar seien. Kritisiert wurden zudem das Verwässern des Klimaschutzgesetzes sowie Haushaltskürzungen. Deutliche Fortschritte attestieren die Organisationen unseren Nachbarn beim Ausbau erneuerbarer Energien sowie in gewissem Maße auch bei der Senkung der Treibhausgasemissionen insgesamt.

Großbritannien unter Top 10

Einer der größten Aufsteiger ist im Klimaschutz-Index Großbritannien, das sich dank ehrgeiziger Bemühungen seiner neuen Labour-Regierung von Platz 20 auf Platz sechs verbesserte. Größte Absteiger sind die Schweiz, Finnland und Argentinien – vor allem wegen jeweils deutlich schlechterer Bewertungen ihrer Klimapolitik.

China und die USA weiterhin schlecht

Die weltweit größten Treibhausgas-Emittenten China und USA werden beide als „sehr schlecht“ bewertet. China erreicht nur Platz 55, die USA sogar nur Platz 57 – insbesondere wegen sehr hoher Emissionen sowie sehr hohem Pro-Kopf-Energieverbrauch. Beiden Ländern werden allerdings positive Entwicklungen beim Ausbau erneuerbarer Energien bescheinigt. Auch in China scheine zudem der Höhepunkt des Treibhausgasausstoßes nahezu erreicht zu sein, heißt es in dem Bericht. Notwendig bleibe aber eine klare Abkehr von fossilen Energien. Die Europäische Union erreichte insgesamt Rang 17, Schlusslichter der Gesamtskala sind Saudi-Arabien und der Iran.

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So wurde gewertet

Der Klimaschutz-Index umfasst insgesamt 63 Staaten sowie die EU. Sie zusammen sind demnach für mehr als 90 Prozent des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich. Bewertet werden Treibhausgasemissionen (40 Prozent Gewichtung für das Gesamtranking), Erneuerbare Energien (20 Prozent), Energieverbrauch (20 Prozent) und Klimapolitik (20 Prozent) nach festgelegten Kriterien. Dabei fließen neben dem jeweiligen Ist-Stand auch Trends und Perspektiven in die Wertung ein. An dem Index sind rund 450 Expertinnen und Experten beteiligt. (Red./APA)

Rechtsextremismus neu verpackt

Österreich wird rechtsextremer, aber es ist nicht auf den ersten Blick erkennbar. Springerstiefel, Bomberjacke und Nazi-Symbole? Fehlanzeige. Hinter der Fassade verbergen sich zwar dieselben menschenverachtenden Ideen. Aber die Neue Rechte zeigt sich nach außen zahm und modern. Dieses Auftreten und geschickte Medienarbeit machen rechtsextreme Ideen immer salonfähiger.

Mit 28,8 Prozent war die FPÖ die stärkste Partei bei der Nationalratswahl. Gleichzeitig ist die Zahl rechtsextremistisch motivierter Straftaten von 2022 auf 2023 um ein Drittel gestiegen. Und Ende des Sommers zeigten undercover gefilmte Aufnahmen des RTL-Magazins Extra eine Party in Wien, auf der Identitäre vom Völkermord an Muslim:innen fantasieren. Österreich ist rechtsextremer geworden und das zeigt sich auch im Alltag vieler Menschen.

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In einer Familie ist es der Onkel, der alle Asylanten wieder aufs Mittelmeer schicken möchte. In einer anderen die Oma, die das linkslinke Politikergesindl endlich einsperren will. Tagtäglich fallen solche Sätze an den Esstischen Österreichs. Das ist nichts Neues, aber es wird mehr. Und immer öfter sehen die anderen Menschen am Tisch über solche rechtsextremen Aussagen hinweg.

  • „Der Onkel halt.“
  • „Du weißt doch, wie die Oma ist.“
  • „Naja, irgendwo hat sie schon auch recht.“
Das Unsagbare wird sagbar

In einem Interview mit der ZEIT sagt der renommierte Politikwissenschafter Ivan Krastev, dass viele unsagbare Dinge wieder sagbar werden. Geflüchtete Menschen in den Tod zu wünschen? Sagbar. Gefängnisstrafen für politisch Andersdenkende? Auch sagbar.

Besucher:innen der Salzburger Festspiele als Inzuchtpartie bezeichnen? Auch das ist 2024 sagbar, wie wir seit Ende August wissen. Sogar für eine Person, die Bundeskanzler werden möchte: Herbert Kickl.

Politikwissenschafter Krastev sieht diese Entwicklung in vielen westlichen Ländern. Und bringt in diesem Zusammenhang die sogenannte Neue Rechte ins Spiel – ein rechtsextremes Netzwerk, das laut aktuellen Verfassungsschutzbericht auch in Österreich an Einfluss gewinnt. Verfassungsschützer:innen in ganz Europa stufen die Neue Rechte als ernste Gefahr für Demokratie und Rechtsstaat ein.

Tabubruch als Strategie

Die Neue Rechte serviert rechtsextreme Ideen mitsamt passendem Vokabular an die Esstische Österreichs. Nehmen wir Remigration her. Ein Wort, das sachlich klingt, aber nichts Geringeres meint, als die Deportation von Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund.

Wohlüberlegt bringt die Neue Rechte solche Worte in die öffentliche Debatte ein. Das ist Teil ihrer Metapolitik. Ein Begriff, der für die Neuen Rechten wichtig ist. Was hinter dahinter steckt, dazu kommen wir gleich.

Rechtsextremismus geht auch ohne Nazi-Symbole

Zuerst aber: Wer oder was ist dieses Netzwerk der Neuen Rechten? Der Name lässt zwar anderes vermuten, aber so neu ist die Neue Rechte nicht. Bereits in den 1960er Jahren bezeichneten sich rechtsextreme Gruppen in Frankreich und Deutschland so.

Das Neu im Namen ist damals wie heute Ausdruck dafür, dass man sich vom geschichtlichen Nationalsozialismus abgrenzen möchte. Man will rechtsextreme Politik erneuern und sie wieder salonfähig machen. Und mit Nazi-Bezügen lassen sich wenig Sympathiepunkte in der breiten Bevölkerung sammeln.

Die Neue Rechte ist dabei aber keine einzelne Gruppierung oder gar eine Partei, sondern ein informelles Netzwerk von Einzelpersonen und Organisationen. So definiert es der deutsche Inlandsgeheimdienst.

Kein:e rechtsextreme:r Poltiker:in kann also formal Mitglied der Neuen Rechten werden, sondern sich nur in ihre Kreise begeben. Zwischen anderen rechtsextremen Gruppierungen und den Neuen Rechten lassen sich also keine scharfen Grenzen ziehen.

Neue Rechte vermengen sich mit Parteipolitik

Eindeutig dem Netzwerk der Neuen Rechten zuordnen lässt sich die Identitäre Bewegung. Im österreichischen Verfassungsschutzbericht wird sie als die zentrale Gruppierung der Neuen Rechten bezeichnet. Auch sie selbst bezeichnet sich als aktivistischer Arm der Neuen Rechten.

Wie die RTL-Recherche zeigt, nehmen es die Identitären aber mit der Distanzierung zum Nationalsozialismus nicht allzu ernst. In den undercover gefilmte Aufnahmen wird nicht nur der Holocaust verherrlicht, sondern auch neonazistische Begriffe verwendet.

Und die FPÖ? Die Ideen der Neuen Rechten sind in vielen rechtsextremen Parteien deutlich sichtbar. Auch in der FPÖ, insbesondere in ihrer Jugendorganisation, der Freiheitlichen Jugend. Bernhard Weidinger, Rechtsextremismus-Forscher im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands urteilt in einem Interview mit dem Bayrischen Rundfunk, dass die Freiheitliche Jugend aussieht, spricht und handelt wie die Identitäre Bewegung.

Er redet von einer Verschmelzung von Parteien und rechtsextremer Szene. Eine Beobachtung, die auch Verfassungsschützer:innen machen. Die Neue Rechte würden eine immer stärkere Vermengung mit der Parteipolitik anstreben, steht etwa im aktuellen Verfassungsschutzbericht.

Öffentliche Meinung beeinflussen

Jetzt aber zurück zur erwähnten Metapolitik. Dabei handelt es sich um einen philosophischen Begriff der Staatslehre. Vereinfacht gesagt heißt Metapolitik, Politik über den politischen Bereich hinausdenken.

Es geht um die strategische Beeinflussung der Öffentlichkeit. Wenn die Mehrheit der Bevölkerung die eigenen Ideen verinnerlicht hat, sind sie politisch durchsetzungsfähig. Im Fall der Neuen Rechten heißt das, rechtsextreme Erzählungen zu verbreiten. Über geschickte Medienarbeit, über eigene Verlage und über die bereits erwähnte Vermengung mit der Parteipolitik.

Durch die Verbreitung von rechtsextremen Ideen und Erzählungen verschiebt die Neue Rechte die Grenzen des Sagbaren Stück für Stück zu ihren Gunsten. Das braucht seine Zeit, aber es scheint zu funktionieren. In ganz Europa rücken rechtsextreme Ideen in die Mitte der Gesellschaft vor.

Die Verschwörungserzählung des großen Austausches

Der große Austausch ist eine dieser Erzählungen. Er stammt aus der Feder der Neuen Rechten und ist mittlerweile in den Köpfen vieler Menschen verankert. Die Verschwörungserzählung besagt, dass eine nicht näher definierte Elite bewusst Menschen aus nicht-westlichen Ländern ins Land bringt, um die ursprüngliche Bevölkerung zu verdrängen.

So soll sie geschwächt und letztlich ausgetauscht werden. Der große Austausch verbreitet das Gefühl, dass die eigene Kultur und Identität bedroht sind. Und schafft damit die Rechtfertigung für rassistische und menschenfeindliche Politik.

Subtil, aber rechtsextrem

Die Neue Rechte ist rechtsextrem. Der deutsche Verfassungsschutz hebt das in seinem Bericht aus dem Jahr 2020 besonders hervor:

„Rechtsextremistische Bezüge der Neuen Rechten sind nicht immer offensichtlich. Diese ergeben sich aber aus Verstößen gegen das Menschenwürde-, Rechtstaats- und Demokratieprinzip (…).“

Und auch das Mauthausen-Komitee warnt davor, dass Rechtsextremismus sich nicht mehr so offen zeigt wie früher:

„In der rechtsextremen Szene hat seit vielen Jahren ein Wandel stattgefunden. (…) Die Kleidung wird „cooler“ – modische Accessoires und Mainstream-Produkte statt Schläger-Outfits. Mit jugendkulturellen Codes auf der Kleidung, deren Bedeutung in der Regel nur in der Szene bekannt ist, outet man sich szeneintern.“

Die Neuen Rechten wollen Rechtsextremismus normalisieren. Sie geben sich sprachlich subtiler und modern. Ihre Ideen sollen an den Esstischen des Landes nicht mehr als radikal und menschenfeindlich, sondern als ernsthafte politische Forderung durchgehen.

Mit dieser Strategie sind die Neuen Rechten beängstigend erfolgreich. Das belegt der durchschlagende Erfolg der FPÖ. Politik, Medien und die Gesellschaft müssen hier klar Stellung beziehen. Wir müssen hinter harmlose Worte blicken und menschenverachtende Politik klar als solche benennen. Rechtsextremismus bleibt Rechtsextremismus, auch wenn er in einer modernen Verpackung steckt.

Gestörter Winterschlaf

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Die Klimakrise bringt uns immer häufiger kurze und milde Winter. Darunter leiden auch unsere heimischen Tierarten. Denn die steigenden Temperaturen führen dazu, dass Winterschläfer früher aus ihrem Winterschlaf erwachen. Das führt zu Problemen.

Wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen, der erste Schnee kommt und der Boden gefriert, wird es im Wald still. Die Tiere ziehen sich zum Winterschlaf zurück. Erst mit den ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühling erwacht die Natur wieder zum Leben. So sollte es sein. Doch was, wenn es dem Murmeltier in seiner Höhle plötzlich zu warm wird? Bienen aus ihrer Winterstarre zu früh erwachen, weil draußen scheinbar die ersten Blumen in der Blüte stehen? Oder der Igel durch Wärmeperioden aus seinem Rhythmus gebracht wird? Vom ungestörten Winterschlaf ist da oft nur noch wenig übrig.

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Welche Auswirkungen haben milde Winter auf unsere heimischen Tier- und Pflanzenarten? Wie gehen sie mit der Klimawandel und den steigenden Temperaturen im Winter um? Universitätsprofessorin Claudia Bieber von der Veterinärmedizinischen Universität Wien verrät uns, wie heimische Tierarten den Winter verbringen und wie wir ihnen dabei helfen können.

Winterschlaf, Winterstarre & Winterruhe

„Tiere haben verschiedene Strategien, um den Winter zu überstehen, abhängig von ihrer Spezies, Umgebung und den verfügbaren Ressourcen“, erklärt die Professorin. Einige Vögel fliegen im Winter Richtung Süden, um die kalte Jahreszeit in warmen Regionen zu verbringen. Eine Reise in warme Gefilde ist jedoch nicht jedem Tier möglich, weshalb sich andere an die winterlichen Bedingungen anpassen, indem sie Winterschlaf, Winterruhe oder Winterstarre halten.

Winterschlaf: Beim Winterschlaf senken Tiere ihre Körpertemperatur und alle Lebensfunktionen drastisch ab. Die Herzfrequenz sinkt auf nur wenige Schläge pro Minute, die Atmung wird langsamer, und die Muskeln werden schlaff. Dadurch verbrauchen die Tiere nur noch sehr wenig Energie. Winterschläfer sind meist kleine Tiere, die nicht genug Nahrung finden, um den Winter zu überleben. Dazu gehören Fledermäuse, Siebenschläfer, Hamster, Murmeltiere und Igel.

Winterruhe: Bei der Winterruhe senken Tiere ihre Körpertemperatur nicht so stark wie bei der Winterstarre. Es ist ein Zustand, den man sich als mehrfach unterbrochenen Winterschlaf vorstellen kann, bei dem hin und wieder gefressen wird. Winterruhe halten meist größere Tiere. Dazu gehören Dachse, Eichhörnchen, Waschbären und Braunbären.

Winterstarre: Bei der Winterstarre lässt sich das Tier vollständig einfrieren. Die Körpertemperatur sinkt bis auf den Gefrierpunkt, die Atmung und die Herzfrequenz hören auf. In diesem Zustand verbrauchen die Tiere kaum noch Energie. Um sich vor Frost zu schützen, vergraben sich die Tiere häufig im Boden. Erst wenn es wieder wärmer wird, ist die Winterstarre vorbei. Das bedeutet, dass die Tiere zwischendurch nicht aufwachen können und daher auch nicht fressen. Winterstarre findet man bei wechselwarmen Tieren wie Fröschen und Schildkröten.

Neben dem Winterschlaf, der Winterruhe und -starre gibt es noch weitere Strategien, die die Tiere durch den Winter bringen. „Eichhörnchen halten beispielsweise keinen Winterschlaf. Sie legen im Herbst einen Futtervorrat an, der sie den Winter über ernährt. Andere Tiere fressen im Herbst Unmengen, um sich eine Speckschicht anzulegen. Wieder andere Säugetiere oder Vögel legen sich in der kalten Jahreszeit ein Winterfell oder ein dickes Federkleid zu“, erklärt die Professorin. Für sie haben die steigenden Temperaturen keine großen Auswirkungen. Denn ein wärmerer Winter bedeutet für sie mehr Nahrung. Für alle anderen jedoch bedeuten die höheren Temperaturen Stress und Gefahr.

Wenn es dem Bären zu warm wird, erwacht er früher aus seiner Winterruhe. Die Tiere benötigen aber diese Zeit, um zu Kräften zu kommen und gesund zu bleiben. © Adobe Stock
Wenn es dem Bären zu warm wird, erwacht er früher aus seiner Winterruhe. Die Tiere benötigen aber diese Zeit, um zu Kräften zu kommen und gesund zu bleiben. © Adobe Stock
Auswirkungen der Klimakrise auf die Winterruhe
  1. Einfluss auf Insekten: Am schwersten fällt es den Insekten, sich auf die veränderten Temperaturen einzustellen. Denn Insekten sind auf den Nektar verschiedener Pflanzen angewiesen. Durch die warmen Winter blühen viele Pflanzen frühzeitig, manchmal zu früh. Viele Insekten sind da noch nicht aktiv. Dies führt dazu, dass Bienen und andere Insekten, wenn sie fliegen, oft keine Nahrung mehr finden, da die Blüten bereits verblüht sind. Dies ist besonders für Bienen problematisch, da sie dadurch verhungern können. Ein vorgetäuschter Frühlingsbeginn kann zudem Insekten frühzeitig aus ihren sicheren Nestern locken. Bienen verlassen beispielsweise ihren Bienenstock ab zwölf Grad Celsius, suchen nach Nahrung und Wasser, räumen ihr Winterquartier auf und beginnen mit ihrer Arbeit, was viel Energie kostet. Wenn dann nur wenige Blüten verfügbar sind, erhalten einige Bienen nicht genug Nahrung und verhungern. Bei plötzlichem Kälteeinbruch während eines Ausflugs schaffen es einige Bienen möglicherweise nicht mehr rechtzeitig zurück und erfrieren. Der Verlust dieser erfrorenen Bienen kann erhebliche Auswirkungen auf das gesamte Leben im Bienenstock haben.
  2. Einfluss auf Pflanzen: Die Winter werden wärmer, die Tage länger, und viele Pflanzen blühen jedes Jahr früher. Wenn dann keine Insekten für die Bestäubung bereitstehen, kann das langfristig zu weniger Früchten führen. Auch die Frosthärte von Pflanzen ist betroffen. Einige Pflanzen, die früher frostbeständig waren, sind nun anfälliger für Frostschäden, weil sie nicht mehr so gut auf Kälte vorbereitet sind. Dies kann dazu führen, dass Pflanzen erfrieren oder ihre Blätter verlieren, was ihre Gesundheit und Produktivität beeinträchtigt.
  3. Verhalten von Vögeln: Zugvögel fliegen üblicherweise im Herbst in wärmere Regionen, um zu überwintern. Bei milden Wintern entscheiden sich jedoch mehr Vögel, in der Region zu bleiben, da sie hier länger Nahrung wie Insekten finden können. Das führt zu Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum mit Vögeln, die das ganze Jahr über in Österreich bleiben. Außerdem könnten Zugvögel, die normalerweise nach Afrika fliegen und im Frühling zurückkehren, mit besetzten Nistplätzen konfrontiert werden.
  4. Auswirkungen auf Säugetiere: Die Population von Säugetieren wie Wildschweinen und Rehen könnte aufgrund des milden Wetters ansteigen. Während sich diese Tiere anpassen können, birgt plötzlicher Frost Gefahren für Jungtiere, die erfrieren oder verhungern könnten.
  5. Problematischer Winterschlaf: Milde Winter können unterschiedliche Auswirkungen auf den Winterschlaf von Tieren haben. Winterschläfer wie Igel, Fledermäuse oder Bilche werden durch einen durchgängig milden Winter kaum gestört. Dauert die milde Phase jedoch länger an und wird dabei häufig von kurzfristigen Kälteeinbrüchen unterbrochen, wachen Winterschläfer auf und benötigen im Wachzustand wesentlich mehr Energie. Das bedeutet mehr Nahrung, welche nicht ausreichend zu finden ist. Kommt es dann erneut plötzlich zu einem Kälteeinbruch, geraten die Winterschläfer in Gefahr zu erfrieren oder zu verhungern.
  6. Auswirkungen auf die Nahrungskette: Selbst die globale Nahrungskette kann durch mildere Winter beeinträchtigt werden. Zugvögel zum Beispiel überwintern normalerweise im wärmeren Süden und dienen dort wiederum einheimischen Tieren als Nahrungsquelle. Wenn diese Zugvögel jedoch ihre Reise im Herbst nicht antreten, kann das zu Nahrungsmangel im Süden führen. Darüber hinaus stellen die höheren Temperaturen auch eine Herausforderung für einheimische Vögel dar, die auf das Aufknacken von gefrorenen Samen angewiesen sind. Gefrorene Samen sind dann Mangelware.
Vor allem kleinere Tiere können wir im Winter gut mit Schutzräumen, Futter und Wasser unterstützen.
Vor allem kleinere Tiere können wir im Winter gut mit Schutzräumen, Futter und Wasser unterstützen.
Maßnahmen zum Schutz der Tiere in milderen Wintern

Mit ein paar einfachen Tipps können wir Tieren helfen, den Winter besser zu überstehen. Professor Bieber rät zu folgenden Maßnahmen:

  • Futter bereitstellen: Stellt zusätzliche Nahrungsmittel bereit, um sicherzustellen, dass Tiere genügend Energie haben, um die kälteren Perioden zu überstehen. Dies gilt insbesondere für Wildtiere, Vögel und streunende Tiere.
  • Wasserversorgung: Sorgt dafür, dass Tiere Zugang zu sauberem Wasser haben. In milderen Wintern kann es vorkommen, dass natürliche Wasserquellen einfrieren, was die Wasserversorgung für Tiere erschwert.
  • Schutzräume: Bietet Unterschlupf- und Schutzmöglichkeiten für Tiere an. Das können Nistkästen für Vögel, Verstecke für Kleintiere oder geschützte Bereiche für Wildtiere sein.
  • Heimische Pflanzen fördern: Setzt in Gärten Pflanzen an, die in eurer Region heimisch sind und den Tieren als Nahrung dienen. Das unterstützt die örtliche Tierwelt und hilft, das Gleichgewicht in der Natur zu erhalten.
  • Waldruhe: Viele Tiere halten im Wald ihre Winterruhe. Stört sie nicht mit Lautstärke und bleibt auf Wegen und Wintersportpisten.
  • Klimaschutz unterstützen: Setzt euch für Klimaschutzmaßnahmen ein, um die Auswirkungen der Klimakrise auf die Tierwelt zu reduzieren. Zum Beispiel durch das Reduzieren des persönlichen CO₂-Fußabdrucks, das Vermeiden von Plastikmüll und das Unterstützen von Initiativen zur Förderung erneuerbarer Energien.
  • Aufklärung und Sensibilisierung: Informiert Familie, Freunde, Gemeinde über die Auswirkungen der Klimakrise auf die Tierwelt. Ermutigt sie dazu, die Natur und das Klima aktiv zu schützen.
  • Forschung fördern: Unterstützt wissenschaftliche Forschung, die sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Tierwelt befasst. Dies kann dazu beitragen, fundierte Maßnahmen zur Unterstützung von Tieren in milderen Wintern zu entwickeln.
  • Naturschutzgebiete schützen: Engagiert euch für den Erhalt und Ausbau von Naturschutzgebieten, um intakte Lebensräume für Tiere zu bewahren.